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Kohortenkastell Arnsburg/Alteburg 

Zwischen dem Kloster Arnsburg und Lich-Muschenheim lag in exponierter Lage auf einer Hochfläche als nördlichstes Kohortenkastell der Römer, das 2,9 Hektar große Steinkastell Arnsburg/Alteburg.

Zu Fuß ist der Kastellplatz gut über den Rundwanderweg "Kulturhistorischer Wanderweg Muschenheim" der Stadt Lich vom Parkplatz vor dem Haupttor des Klosters Arnsburg zu erreichen.

Das römische Kastell Arnsburg/Alteburg wurde schon in der Anfangsphase des Limes als Holz-Erde-Kastell errichtet. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts wurden die Umfassungsmauern und einige Innenbauten (Stabsgebäude, Wohnhaus des Kommandanten, Speicher) in Stein ausgeführt. Das Haupttor lag als Doppeltoranlage im Osten Richtung Limes. In seiner Nähe fanden sich Reste eines großen Gebäudes, wahrscheinlich einer Herberge.

    A: Wehrmauer mit Zwischen-und Ecktürmen
    B: Stabsgebäude
    C: Getreidespeicher
    D: Wohnhaus des Kommandanten
    M: Herberge?
    1: Vorderes Lagertor (Haupttor)
    2 u. 3: Seitentore
    4: Rückwärtiges Lagertor
    Hellgrauen Flächen: Lagerstraßen
    E: mittelalterliche Anlage; Kirchenbau

 


Abb. Zeichnung der Anlage, Quelle: Informationstafel am Kastellplatz Arnsburg/Alteburg bei Lich-Muschenheim.
 
Die Besatzung waren teilweise berittene Kohorten von je 500 Mann Stärke. Es handelte sich um Hilfstruppen, die ursprünglich in Aquitanien und Dalmatien zusammengestellt wurden, aber später aus der Bevölkerung der Provinzen, in denen sie stationiert waren, ergänzt wurden. Das Kastell blieb bis zum Fall des Limes um 260 n. Chr. besetzt.

Zu sehen sind heute noch Reste der Mauer, Turm und Tor der Nordfront des Kastells. Die Mauerreste wurden bald nach einer Ausgrabung 1893 konserviert und präsentiert und 2007 ergänzt. Der Förderverein der hessischen Archäologie hat im Jahr 2006 im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Lich-Muschenheim mit dem Kastell Arnsburg/Alteburg einen der letzten noch nicht überbauten Kastellplätze erworben. Die rund 8 Hektar große Fläche umfasst das Kastellgelände, den Kernbereich des Lagerdorfes und das zugehörige Amphitheater. Die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden stillgelegt und in Grünland umgewandelt. Damit sind die römischen Überreste vollständig im Boden erhalten und kommenden Generationen für Forschungszwecke verfügbar gemacht. Für interessierte Besucher wurden Informationstafeln zum Kastell aufgestellt.

Luftbilder und geophysikalische Prospektion zeigten, das sich rund 400 Meter nördlich des Kastells zwei großen, vermutlich vorlimeszeitlichen Militärlagern befanden. Über eine weitere Doppeltoranlage im Süden erreichte man die Straße, hier befand sich das Lagerdorf, das sich nach Westen, Süden und Osten ausdehnte. Im Lagerdorf wohnten die Familien der Soldaten, es gab Gaststätten und Handwerksbetriebe, Händler aller Art boten ihre Waren an. Auf den Luftbildern sind Steinfundamente zu erkennen, die zu Tempeln und Heiligtümern gehören. Die Gräberfelder lagen im Anschluss an das Lagerdorf.

Südöstlich des Kastells wurde am Rande ein Amphitheater entdeckt, dessen Arena ein nicht ganz kreisförmiges Rund von 31 bis 32 Meter Durchmesser bildete. An zwei gegenüberliegenden Stellen scheinen Öffnungen gewesen zu sein. Es ist davon auszugehen, dass hier Gladiatoren gegeneinander angetreten sind und Tierkämpfe stattgefunden haben.
Vermutlich zog die Straße vom Kastell in nördlicher Richtung zum Limes weiter, wo sich – wohl unweit der Bundesstraße 488 – einer der wichtigsten Grenzübergänge des Wetteraulimes befunden haben dürfte.

In der Nähe des Südtores lag eine Therme. Eine Badeanlage war bei allen Kastellen vorhanden und stellte das Zentrum der soldatischen Freizeitgestaltung dar. Der regelmäßige Badebesuch war wichtig für die Hygiene der in großer Enge im Kastell lebenden Soldaten. Es ist aber davon auszugehen, dass auch die im Lagerdorf lebende Zivilbevölkerung Zutritt hatte.
Der Badende betrat zuerst den Umkleideraum und die benötigten Utensilien (Sandalen, Handtücher, Schaber, Ölfläschchen) brachte er mit oder konnte sie entleihen. Während des Bades wechselte man zwischen dem heißen Wasser im caldarium und dem kalten Wasser im frigidarium. Das angenehm temperierte tepidarium diente als Ruheraum. Auch ein Schwitzbad (sudatorium) war in der Regel vorhanden. Die Beheizung der Räume erfolgte durch eine Unterboden- und Wandheizung. Die Befeuerung erfolgte von außen über das praefurnium.

(Quelle: Auszug aus der Broschüre des Landkreises Gießen "Der Limes im GießenerLand", Text: M. Blechschmidt.)
 


Bild: Informationstafel zur Kastellanlage am Kastellplatz
Informationstafel zur Kastellanlage am Kastellplatz
Bild:
Bild: Informationstafel zum Kastell am Rande des Imperium Romanum
Informationstafel zum Kastell am Rande des Imperium Romanum