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Obergermanisch-Raetische Limes 

Der Obergermanisch-Raetische Limes ist das größte und eines der bekanntesten Bodendenkmäler in Deutschland. Er ist Zeugnis der über 2000 Jahre alten römischen Epoche und Kultur, die sich nachhaltig auf die kulturelle Entwicklung in Europa ausgewirkt hat.

Am 15. Juli 2005 wurde auf der Sitzung des Welterbekomitees in Durban (Südafrika) der Obergermanisch-Raetische Limes in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.


 Der Ausbau des Heute als römische Grenze bekannte Limes begann um die Zeit des Chattenkrieges Domitians 83 – 85 n. Chr..
Limes ist in seiner ursprünglichen Bedeutung als Weg, Schneise zu verstehen. Die Anfänge in unserer Region sind also in den in die Wälder geschlagenen Schneisen während des Chattenkrieges zu sehen. Erst später wurde der Begriff zur Bezeichnung der Grenze zwischen dem römischen und nichtrömischen Gebiet.
In der Lebensbeschreibung Kaiser Hadrians von Aelius Spartianus heißt es dazu (122 n. Chr.): „Zu jenen Zeiten wie auch sonst öfter trennte er (Hadrian) die vielen Gegenden, in denen die Grenze gegen die Barbaren nicht durch Flüsse, sondern durch künstliche Sperren (limites) gebildet wird, die Barbaren vom Reichsgebiet durch ein System von großen Pfählen, die nach Art eines mauerähnlichen Geheges tief eingerammt und miteinander verbunden wurden.“

Die Verstärkung mit Palisaden ist erst eine spätere Ausbauphase. Zu Beginn war es zunächst nur ein Postenweg mit Holzwachttürmen. Das Setzen von Pfählen zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. sollte die Grenze im völkerrechtlichen Sinn markieren, den grenzüberschreitenden Personen- und Warenverkehr auf ganz bestimmte Durchgänge lenken, an denen die ein- und ausgeführten Waren verzollt wurden, und die Zuwanderung germanischer Siedlergruppen regulieren. Gleichzeitig wurden die Holztürme durch Steintürme ersetzt. In der Endphase erhielt der Limes Wall und Graben. Neueste Forschungen lassen vermuten, dass dann die Palisade entfiel. Dies beschreibt das Aussehen am obergermanischen Limes; am raetischen Limes war anstelle von Palisaden bzw. Wall und Graben eine Mauer errichtet worden.
Die Wachttürme waren in Sichtweite zueinander in Abständen zwischen 500 und 1000 m errichtet worden. Sie dienten vor allem der Nachrichtenübermittlung durch optische (Rauch, Fackeln, Flaggen) oder akustische (Hörner) Signale. Vier bis fünf Soldaten bildeten die Wachmannschaft.
In unregelmäßigen Abständen lagen – besonders an Grenzübergängen – Kleinkastelle. Die größeren Kastelle („Kasernen“) lagen in Abständen von etwa 18 Kilometern (Tagesmarsch) zueinander. In der Frühphase waren sie von einer Holz-Erde-Mauer umgeben und meist mit einem Numerus (etwa 160 Mann) besetzt. Im 2. Jahrhundert wurden sie durch größere, mit einer gemörtelten Steinmauer umgebene Kastelle ersetzt, die in der Regel mit einer Kohorte (etwa 500 Mann) belegt waren.

Der Limes war kein waffenstarrendes Grenzsystem ähnlich dem „Eisernen Vorhang“ zwischen den beiden ehemaligen deutschen Staaten. Über die Grenze hinweg war ein Austausch zwischen den Völkern möglich und gewünscht. Vieles deutet auf eine lange friedliche Koexistenz von Römern und Germanen an der Reichsgrenze hin.

 Der Limes im GießenerLand
Durch den Landkreis Gießen verläuft eine rund 23,4 km lange Limesstrecke mit 26 Turmstellen, 6 Kleinkastellen (Holzheimer Unterwald, Hainhaus, Langsdorf, Feldheimer Wald, Wingertsberg und Massohl) und 2 Kastellen (Arnsburg/Alteburg und Inheiden).
Anteil haben an ihm die Kommunen Langgöns (2,3 km), Pohlheim (8,1 km), Linden (1,3 km), Lich (7,5 km) und Hungen (7,8 km).
(Quelle: endecken & erleben – Der Limes im GießenerLand, Kap 1 + 4, M. Blechschmidt)

Limeskarte_Gie__enerLand.jpg

 Mehr zum Limes im GießenerLand finden Sie in der Broschüre "entdecken & erleben - Der Limes im GießenerLand" 

 

 

 


Bild: Firmendarstellung
Bild: Pohlheim,Nachbildung des röm. Wachtturm Wp.4/49
Pohlheim,Nachbildung des röm. Wachtturm Wp.4/49
Bild: Langgöns, Limeswall
Langgöns, Limeswall